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Pirelli erklärt: Reifenprofile & -technologien | Run Flat™, Seal Inside™ & PNCS
Reifen,  Wissensecke

Pirelli erklärt: Reifenprofile & -technologien | Run Flat™, Seal Inside™ & PNCS

Hast du dir schon einmal das Profil deiner Reifen genauer angesehen? Dann ist dir vielleicht auch schon aufgefallen, dass sich Sommerreifen und Winterreifen in einigen Punkten unterscheiden. Während Sommerreifen meist mehrere breite Längsrillen aufweisen, lassen sich auf Winterreifen bei genauerem Hinsehen neben den größeren diagonalen Einschnitten noch unzählige kleine auf den Profilblöcken entdecken. Wieso aber ist das so und was bewirken unterschiedliche Reifenprofile?

Pirelli war anlässlich ihrer Pirelli Roadshow für eine Reifenschulung zu Gast bei uns bei felgenoutlet. Es ging vor allem um die Cinturato-Modelle von Pirelli, die es als Sommer-, Winter- und Ganzjahresreifen gibt. Neben einer allgemeinen Vorstellung der einzelnen Reifen erklärte Pirelli-Experte Norbert (im Foto) vieles zum Aufbau der Reifenprofile und den Reifentechnologien, die Pirelli verwendet und warum.

Pirelli Roadshow Reifenschulung bei felgenoutlet Teilnehmer

Einige interessante Erkenntnisse wollen wir hier gern vorstellen. Wir danken Pirelli für die aufschlussreiche Schulung, die auch für uns wie immer die eine oder andere Neuigkeit bereithielt und freuen uns, dies im Blog teilen zu dürfen.

Mehr über Pirelli erfährst du auf der offiziellen Webseite. Wir bieten in unserem Shop für viele Fahrzeuge und Zollgrößen passende Pirelli-Reifen an. Schau gleich, ob Kompletträder mit Pirelli-Reifen auch für dein Fahrzeug verfügbar sind!

Pirelli Roadshow Reifenschulung: Reifenexperte Norbert
Pirelli-Reifenexperte Norbert erklärt die Besonderheiten der Reifenblöcke der Pirelli-Reifen Cinturato P7C2, All Season SF2 & Winter 2

Reifenprofile: asymmetrisch, laufrichtungsgebunden, Lamellen

Von der Ferne sehen Reifen doch alle gleich aus, nicht? Nein, tatsächlich unterscheiden sich nicht nur Sommer- und Winterreifen in sichtbaren (Reifenprofil) und unsichtbaren (Gewicht, Materialzusammensetzung uvm.) Eigenschaften, sondern auch die einzelnen Reifenmodelle untereinander. Jeder Reifenhersteller entwickelt eigene Reifenprofile, um dem Reifen besondere Eigenschaften zu geben. Richtig, diese „Einschnitte“ sind maßgeblich daran beteiligt, wie das Nass- und Trockenhandling eines Reifens ist, wie gut der Grip auf Eis ist, wie verlässlich Wasser abgeleitet wird etc. Es lohnt sich also, einen genaueren Blick auf deinen Reifen zu werfen. Anhand der Pirelli Cinturato Reifen erklären wir einige der vielen Besonderheiten von Reifenprofilen:

Sehen wir uns zunächst den Sommerreifen Pirelli Cinturato P7C2 an. Klar erkennbar sind die breiten Längsrillen, die entscheidend für die Wasseraufnahme und -ableitung sind. Die gesamte Rillen-Profilblock-Ratio ist so konzipiert, dass ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Aquaplaningfähigkeit und Laufleistung entsteht.

Keine Angst vor Breitreifen

Das hartnäckige Gerücht, dass Breitreifen bei Nässe weniger Fahrsicherheit bieten, kann Pirelli-Experte Norbert nicht bestätigen. Sicher, die allerersten Breitreifen auf dem Markt (in den 90er Jahren) konnten in Sicherheitsaspekten nicht mit der Konkurrenz mithalten. Das lag aber an den ungünstig gestalteten Reifenprofilen. Die Breite hat per se keinen Einfluss auf das Aquaplaning - wichtig ist stattdessen die Anzahl und Breite der Längsrillen!

Zudem sieht man sofort, dass der Reifen ein asymmetrisches Reifenprofil besitzt. Das Traktionsprofil ist auf einen minimalen Bremsweg optimiert und verlangt deshalb eine Laufrichtungsbindung. Die äußere Reifenschulter ist breiter und mit mehr Gummi versehen, um so die Belastung des Autos in Kurven optimal und über lange Zeit effektiv abfedern zu können. Die Innenschulter besteht aus kleineren Blöcken, die so gestaltet sind, dass sie ein möglichst minimales Rollgeräusch verursachen. Zu guter Letzt wurden die innovativen Profilblockkanten abgeschrägt, um den Reifen leiser und weicher laufen zu lassen.

Reifenprofile im Vergleich
Pirelli Cinturato P7C2 (links) & Pirelli Winter 2 (rechts)

Reifenblöcke-Chaos - Muss das so sein?

Vielleicht ist dir an den Pirelli-Reifen schon aufgefallen, dass z.B. die Blöcke auf der Reifenflanke des Sommerreifens Pirelli Cinturato P7C2 und des Winterreifens Pirelli Winter 2 in keinem erkennbaren Muster unterschiedlich breit sind. Das ist gewollt! Warum?
Regelmäßig angeordnete, gleichgroße Blöcke sorgen für harmonische Schwünge. Das klingt erst einmal positiv, ist es in Wahrheit aber nicht. Im Gegenteil: Sie verursachen ein höheres Rollgeräusch. Deshalb setzt Pirelli auf "Chaos" - das mindert nicht nur das Rollgeräusch, sondern sorgt sogar für geringeren Verschleiß!

Im Gegensatz zum Sommerreifen P7C2 sind Pirellis Cinturato Winter- und Allwetterreifen All Season SF2  und Winter 2 mit einem gestaffelten V-förmigen Reifenprofil und zahlreichen kleinen Einschnitten, den Lamellen, versehen. Der All Season SF2 ist zwar ein Ganzjahresreifen, ähnelt im Aufbau aber mehr einem Winterreifen als einem Sommerreifen. Das muss er auch, denn jeder Allwetterreifen muss mit dem Schneeflocken-Symbol versehen sein, das Wintertauglichkeit nachweist.

Um in einer möglichst großen Außentemperaturspanne und unter verschiedenen Wettersituation optimale Leistung zu erbringen, hat Pirelli eine spezielle 3D-Lamellentechnologie für seine Allwetter- und Winterreifen entwickelt. Die Lamelleneinschnitte sorgen für die nötige Weichheit der Reifenmischung bei Nässe, sodass Wasser abgeleitet werden kann. Die Verzahnung der Lamellen sorgt bei trockener Fahrbahn wiederum für Stabilität und optimale Kurvenlage.

Hinzu kommen dünnere Materialwände, weniger Bauteile, variable Profilrillen sowie Pirellis patentiertes Mischverfahren, das die Reifeneigenschaften für die jeweiligen Wetterverhältnisse optimieren sollen.

Pirelli Reifenprofile im Vergleich
Pirelli Cinturato All Season SF2 (links) & Pirelli Winter 2 (rechts)

Profiltiefe

Was die Profiltiefe (die Materialdicke und damit die Höhe der Profilblöcke) angeht, so ist mehr nicht immer automatisch besser. Im Zuge der Optimierung der Reifenprofiltiefe haben die Neuprofiltiefen kontinuierlich abgenommen. Üblich sind heutzutage 6 bis 7 mm. Zwar gilt im Allgemeinen, dass mehr Gummi für mehr Stabilität sorgt (deshalb ist auch die Einhaltung der Mindestprofiltiefe so wichtig!), doch verursacht eine größere Profiltiefe auch einen höheren CO2-Ausstoß und garantiert im Gegensatz nicht zwangsläufig mehr Laufleistung.

Der Grund: Der Verschleiß eines Reifens läuft nicht gleichmäßig ab. Wie Pirelli-Experte Norbert erklärt, ist der Verschleiß bei großer Profiltiefe anfangs höher und stabilisiert sich erst im Laufe der Zeit. Mit einer geringfügig niedrigeren Neuprofiltiefe sowie durch die Optimierung von Profildesign und Materialmischung erreicht man mitunter sogar eine längere Laufleistung, weil sich der Reifen über einen längeren Zeitraum stabiler abläuft.

Reifentechnologien: Pirelli Run Flat™, Seal Inside™ & PNCS

Abgesehen vom Design der Reifenblöcke, der Materialzusammensetzung, den Bauteilen und dem Gewicht gibt es noch eine weitere Komponente, die die Reifeneigenschaften mitbestimmen kann. Mithilfe verschiedener Reifentechnologien lässt sich beispielsweise das im Fahrzeuginneren wahrnehmbare Rollgeräusch der Reifen reduzieren oder auch die Fahrsicherheit im Falle einer Reifenperforation oder eines Luftdruckverlustes erhöhen. Die bekannteste und am weitesten verbreitete Technologie ist wohl Run Flat, die bei sehr vielen Reifenherstellern zum Einsatz kommt. Pirelli setzt zudem auf das sogenannte Seal Inside™ sowie das geräuschminimierende Pirelli Noise Cancelling System™ (PNCS). Was sich dahinter verbirgt und wie diese Technologien funktionieren, liest du hier:

Pirelli Seal Inside™

Mit der Seal Inside™-Technologie hat Pirelli eine Reifenbautechnik entwickelt, die es ermöglicht, sogar nach Perforation (z.B. mit einem Nagel) ohne Luftverlust weiterzufahren. Eine zähflüssige Dichtungsschicht auf der Innenseite der Reifenlauffläche schließt sich bei Perforation um den Fremdkörper und verhindert so, dass Luft entweicht. Wird der Nagel aus dem Reifen herausgezogen oder tritt aus, verschließt die Dichtungsmasse automatisch das Loch, sodass du sicher und sorglos bis nach Hause kommst.

Wichtig: Der Reifen muss anschließend dennoch repariert bzw. ausgetauscht werden, denn es handelt sich nicht um eine permanente Lösung, obwohl man damit fahren kann. Seal Inside™ bietet dir den Vorteil der Mobilität und gleichbleibenden Fahrsicherheit im Fall einer Reifenpanne.

Pirelli Run Flat™

Im Unterschied zur Seal Inside™-Technologie verhindert Run Flat™ nicht, dass bei einer Perforation Luft aus dem Reifen austritt. Durch die verstärkte Seitenwandstruktur lässt sich das Fahrzeug allerdings auch mit Reifen im nicht aufgepumpten Zustand steuern und kontrollieren. So kannst du im Pannenfall noch sicher und sorglos die nächste Werkstatt anfahren, um den Reifen wechseln zu lassen. 

Run Flat™ ist also ein hochgradiges Sicherheitselement am Reifen, das das Ausbrechen des Autos bei Luftverlust im Reifen verhindert und die Stabilität sowie das Handling aufrechterhält.

Pirelli Noise Cancelling System™ (PNCS)

Diese neue Technologie von Pirelli ist weniger unter Sicherheitsaspekten zu verzeichnen, sondern erhöht den Fahrkomfort durch die Reduzierung des Rollgeräusches im Fahrzeuginnenraum.

Die beim Fahren entstehenden Schwingungen in der Reifenstruktur und im Reifen, die sogenannte Hohlraumresonanz, verursacht ein gewisses Rollgeräusch. Mithilfe einer schallabsorbierenden Schaumschicht im Reifeninneren wird die in den Fahrzeuginnenraum eindringende Frequenz reduziert. So nimmst du dank des Pirelli Noise Cancelling Systems™ (PNCS) das Reifengeräusch als leiser wahr.

Doppelt hält besser?

Die Kombination der beiden Technologien Seal Inside und Run Flat ist zwar technisch möglich, wird aber aus zwei Gründen nicht gemacht: Zum einen gehen beide durch das zusätzliche Material mit einer gewissen Gewichtserhöhung einher, zum anderen würde der Reifen durch das Verbauen beider Technologien ungleich teurer werden. Beide Technologien für sich erhöhen jeweils die Fahrsicherheit. Es ist nicht notwendig, beide im gleichen Reifen zu verbauen.