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Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Reifen wechseln?
Radwechsel,  Wissensecke

Von O bis O vs. 7°C-Regel: Wann sollte man Reifen wechseln?

Dass zweimal im Jahr Reifen gewechselt werden, ist bekannt. Nicht umsonst gibt es ja die Bezeichnungen Sommer- und Winterreifen. Doch wann genau ist der richtige Zeitpunkt für den Wechsel? Orientiert man sich am besten an einem bestimmten Datum oder fällt der ideale Zeitpunkt zum Reifen wechseln jedes Jahr anders? Sind Faustregeln verlässliche Richtlinien oder eher veraltet? Wir erklären, woran du den richtigen Zeitpunkt für den halbjährlichen Reifenwechsel erkennst, wofür die Abkürzung „von O bis O“ steht, was es mit der sogenannten 7°C-Regel auf sich hat und auch, wann ein außerplanmäßiger Reifenwechsel nötig ist.

Reifen wechseln im Frühjahr und Herbst - wann ist der richtige Zeitpunkt?

Jeden Frühling und jeden Herbst ist es wieder soweit: die Sommer- bzw. Winterpneus werden aus der Garage geholt und am ersten warmen Frühlingswochenende bzw. nach dem ersten Frost aufgezogen. Oder aber, du hängst dich ans Telefon und versuchst wie viele andere einen günstigen Werkstatt-Termin zu ergattern, die den Radwechsel für dich erledigt. Bei letzterer Variante bist du sehr stark abhängig von der Auslastung deiner Werkstatt – wechselst du die Reifen selbst, bist du hingegen zeitlich flexibel und sparst gleichzeitig. Stellt sich nur die Frage: Wann ist der richtige Zeitpunkt? Kommt nach dem ersten warmen Wetter vielleicht doch noch ein unerwarteter Wintereinbruch? Oder muss es unbedingt das Osterwochenende sein?

Allseits bekannt ist die O-bis-O-Regel, die sich an Ostern und Oktober für den Radwechsel orientiert. In Fachkreisen hat sich seit einigen Jahren jedoch auch eine sogenannte 7°C-Regel etabliert. Wir haben beide unter die Lupe genommen und verglichen:

Von O bis O: Ostern bis Oktober

Die wohl bekannteste Faustregel: um Ostern werden die Sommerreifen aufgezogen, im Oktober die Winterreifen. So weit, so gut. Doch was, wenn zu Ostern noch Schnee liegt und der Oktober unerwartet 20°C bringt?

Wie jede Faustregel ist auch „Von O bis O“ nur als grobe Richtlinie zu verstehen. Achte auf Wetterverhältnisse und Temperaturen, vor allem wenn Ostern sehr früh oder spät liegt. Insbesondere bei Schneefall und Glätte gilt immer noch die Winterreifenpflicht, also lass die Winterreifen im Zweifel lieber einen Tag länger am Auto. Beobachte auch im Oktober, wann das Wetter umschlägt. Spätestens Mitte November solltest du auf jeden Fall auf Winterreifen unterwegs sein!

Die 7°C-Regel

Diese Regel nimmt die Außentemperatur als Anhaltspunkt und wird von den Reifenherstellern empfohlen. Fallen die Temperaturen durchschnittlich unter 7°C, sei die Gummimischung der Sommerpneus zu har und es ist an der Zeit, die Winterreifen zu montieren.

Auch diese Regel ist natürlich mit Vorsicht zu genießen: Winterreifen sind nicht zwangsläufig ab einer bestimmten Temperatur besser geeignet als Sommerreifen, sondern besonders bei Glätte, Schnee und vereister Fahrbahn. Auf trockener Fahrbahn können Sommerreifen auch unter 7°C ein besseres Bremsverhalten und bessere Traktion aufweisen. Achte also auf die Witterungsbedingungen!

Fazit: Die Mischung macht's - beachte die Witterung!

Keine der beiden Regeln kann mit Sicherheit den idealen Zeitpunkt zum Reifen wechseln bestimmen und ist deshalb auch nicht als verbindliche Aussage geeignet. Aber: Eine Kombination der O-bis-O- und der 7°C-Regel unter Beachtung der Witterungsbedingungen kann dir einen guten Anhaltspunkt geben. Liegt Ostern im März, ist das Risiko für erneuten Schneefall noch relativ hoch, auch wenn die Temperaturen bereits einige Tage über 7°C lagen. Umgekehrt solltest du im Oktober die Temperaturen im Blick behalten. Im Zweifelsfall gilt es, die Winterreifen aufgrund der situativen Winterreifenpflicht lieber etwas eher zu montieren und etwas länger am Auto zu lassen, als mit Sommerreifen eine Fahrt auf glatter Fahrbahn zu riskieren.

Wenn du außer dem Wann noch mehr zum Wie des Reifenwechsels erfahren möchtest, haben wir eine ausführliche Radwechsel-Anleitung in Text- und Videoform sowie download- und ausdrucksbarer PDF vorbereitet.

Außerdem: Vor jedem Reifen wechseln Profiltiefe messen

Abgesehen vom Wechsel der Reifen zwischen Sommer und Winter spielt auch die Profiltiefe eine wichtige Rolle. Ist diese nicht mehr ausreichend gegeben, verringert sich die Haftung der Reifen besonders bei Nässe. Was das bedeutet? Ein erhöhtes Risiko für Aquaplaning bei Starkregen und damit auch akute Unfallgefahr. Deshalb nicht erst bei der gesetzlichen Mindestprofiltiefe von 1,6 mm, sondern bei Sommerreifen spätestens bei 3 mm, bei Winterreifen ab 4 mm Restprofiltiefe wechseln. Warum das so wichtig ist?

Versicherungsschutz bei geringer Reifenprofiltiefe beachten

Kommt es aufgrund von zu geringer Reifenprofiltiefe zum Unfall, kann dies im schlimmsten Fall den Haftungsausschluss deiner KfZ-Versicherung zur Folge haben.

Wenn der alte Reifen abgefahren ist, nützt alles nichts: Vor dem Reifenwechsel muss ein neuer Pneu her. Am besten misst du bereits bei der Einlagerung der Reifen (also die Sommerreifen im Herbst, die Winterreifen im Frühjahr) die Profiltiefe, spätestens aber, bevor du sie für die jeweilige Jahreszeit montierst. Wie oben bereits beschrieben, ist die Mindestprofiltiefe nicht nur für deine eigene Fahrsicherheit relevant, sondern auch gesetzlich vorgeschrieben.

Die gute Nachricht: Einen abgefahrenen Reifen erkennst du ohne Probleme mit bloßem Auge. Mithilfe eines Profiltiefe-Messers misst du schnell und mühelos das Restprofil. Ein Profiltiefe-Messer ist klein und handlich und lässt sich auch gut im Handschuhfach verstauen.

Trotzdem solltest du aber regelmäßig die Service- und Inspektionstermine deiner Werkstatt wahrnehmen, denn auch bei Rissen und porösen Stellen, die du mitunter nicht sofort siehst, muss der Reifen gewechselt werden. 

Sommerreifen in annähernd neuem Zustand, erkennbar an tiefen Rillen im Reifenprofil
Die deutlich erkennbaren tiefen Rillen lassen darauf schließen, dass dieser Sommerreifen noch neu ist.

Erkennungsmerkmale abgenutzter Reifen

Bemerkst du ein verändertes Fahrverhalten, z.B. vermehrtes Aquaplaning im Sommer oder schlechtere Traktion auf glatter Fahrbahn im Winter, sind das höchste Alarmzeichen. In diesem Fall solltest du unabhängig von der Jahreszeit die Reifen wechseln (lassen). Eine Fachwerkstatt kann dir neue Reifen auf deine Felgen aufziehen, damit du nicht den kompletten Radsatz wechseln musst.

Was du beim Reifenkauf beachten solltest

Beachte stets das EU-Reifenlabel, auf welchem der Reifen in den Kategorien Nasshaftung, Rollwiderstand und Außenfahrgeräusche benotet wird. Wirf auch unbedingt einen Blick auf die Reifenbezeichnungen wie bspw. die DOT-Nummer, die dir Auskunft über das Reifenalter gibt. Von allem, was älter als 5 Jahre ist, solltest du unbedingt die Finger lassen!