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Radwechsel: So funktioniert das Reifen wechseln
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Radwechsel: Richtig Reifen wechseln (mit PDF-Anleitung!)

Pünktlich um Ostern und im Oktober steht er wieder an: der Radwechsel. Wer keine Allwetterreifen fährt, kommt im Frühjahr und Herbst um das Reifen wechseln nicht herum. Während das Tauschen von Sommer- und Winterreifen natürlich der Werkstatt des Vertrauens überlassen werden kann, ist dieser halbjährliche Besuch doch immer auch mit einem gewissen Zeit- und Kostenaufwand (inkl. Terminvereinbarung) verbunden.

Spar‘ dir dieses Jahr das Warten, Räder wechseln kannst du auch unkompliziert von zuhause! Alles, was du brauchst, ist etwa 45-60 Minuten Zeit, einen ebenen Untergrund und die unten aufgelisteten Werkzeuge. Wir zeigen dir, wie einfach Reifen wechseln sein kann – inkl. PDF-Anleitung. Bereit?

Drahtbürste
Die Drahtbürste sorgt dafür, dass auch der Wechsel zur nächsten Saison reibungslos verläuft.

Inhalt:

  1. Den Radwechsel vorbereiten
    1. Fahrzeug sichern
    2. Werkzeuge und Materialien für den Radwechsel bereitlegen
  2. Risikofrei das Rad demontieren
    1. Auto anheben und Radbolzen lockern
    2. Das Rad abnehmen
    3. Radnabe reinigen
  3. Das Rad montieren
    1. Rad auf die Nabe setzen und Radbolzen einschrauben
    2. Bolzen mit Drehmomentschlüssel anziehen
  4. Felgen und Reifen einlagern
    1. Felgen waschen und Reifen beschriften
  5. Letzte Schritte

Schritt 1: Den Radwechsel vorbereiten

Fahrzeug sichern

Das Fahrzeug wird vor dem Reifen wechseln folgendermaßen gegen Wegrollen abgesichert: zieh‘ die Handbremse an, leg‘ einen Gang ein (bei Automatik genügt ‚P‘) und schalte den Motor aus. Das Auto kann außerdem durch einen Unterlegkeil gesichert werden. Bitte beachte: Generell sollte der Radwechsel nur auf ebenem Untergrund durchgeführt werden!

Stelle am besten den Wagenheber bereit und (wenn vorhanden) auch einen Bock. Damit ist das Fahrzeug zusätzlich gesichert.

Werkzeuge und Materialien für den Radwechsel bereitlegen

Werkzeuge und Zubehör

  • Wagenheber
  • Radkreuz
  • Schlagnüsse
  • Drehmomentschlüssel
  • Drahtbürste
  • Reifenkreide
  • Wir empfehlen außerdem die Benutzung von Kupfer-/Keramikspray, einem Bock, einem Profiltiefe-Messer sowie Handschuhe, die das Verletzungsrisiko an scharfkantigen Gegenständen minimieren.

    Schritt 2: Risikofrei das Rad demontieren

    Wagenheber ansetzen
    Jedes Auto besitzt eine speziell gekennzeichnete Stelle, an der der Wagenheber angesetzt werden soll.

    Auto anheben und Radbolzen lockern

    Die Auflagefläche des Wagenhebers wird bis zum Fahrzeugunterboden angehoben, damit sich das Rad beim Lockern der Radbolzen nicht mitdrehen kann. Diese werden nun mit dem Radkreuz entgegen dem Uhrzeigersinn gelockert, aber noch nicht entfernt.

    Das Rad abnehmen

    Nun kannst du das Rad komplett anheben, die gelockerten Bolzen entfernen und das Rad von der Nabe heben. Da auf dem letzten Radbolzen eine große Spannung lastet, empfehlen wir, diesen mit leichtem Druck auf die Radmitte zu mindern und das Rad stets mit beiden Händen gerade nach vorn zu ziehen.

    Radnabe reinigen

    Bürste die Radnabe mit der Drahtbürste gründlich ab, bevor du das neue Rad montierst. Das ist notwendig, da sich Schmutz und Rost angesammelt haben können, die sonst zu Unwuchten führen. Bemerkbar macht sich dies durch ein Rütteln in der Lenkung. Außerdem riskierst du damit, dass sich das Rad beim nächsten Wechsel nur noch sehr schwer und im schlimmsten Fall gar nicht mehr lösen lässt. Mit Keramikspray versiegelst du die Radnabe und schützt sie so vor Korrosion.

    Schritt 3: Das Rad montieren

    Rad auf die Nabe setzen und Radbolzen einschrauben

    Je nach Beschriftung bzw. Laufrichtung setzt du das Rad mit dem Winterreifen auf die jeweilige Radnabe, sodass die Bohrungen übereinander liegen und schraubst die Radbolzen anschließend vorsichtig handfest ein. Achtung: Kommt es hier zu einem Widerstand oder lassen sich die Bolzen nur mit Mühe eindrehen, beende den Vorgang unverzüglich! Grund kann hier beispielsweise ein verdrecktes Gewinde sein oder ein schief angesetzter Radbolzen. In jedem Fall beschädigst du aber das Gewinde, wenn du mit erhöhter Krafteinwirkung den Prozess fortsetzt.

    Drehmomentschlüssel
    Am Drehmomentschlüssel stellst du den Wert ein, der in der Betriebsanleitung nachzulesen ist, arretierst ihn und ziehst damit die Bolzen mit dem notwendigen Drehmoment an.

    Bolzen mit Drehmomentschlüssel anziehen

    Immer wieder wird die Wichtigkeit eines Drehmomentschlüssels beim Anziehen der Radbolzen unterschätzt. Nur mit dem Wert, der in der Betriebsanleitung des Fahrzeugs angegeben ist, kann eine sichere Montage gewährleistet werden. Das Anziehen „nach Gefühl“ mit dem Radkreuz endet meist damit, dass die Bolzen zu festgezogen sind. Dadurch kann das Gewinde beschädigt werden, die Radschraube abreißen oder sich das Rad beim nächsten Wechsel nicht mehr lösen lassen.

    Sind die Bolzen hingegen nicht fest genug angezogen, kann sich im schlimmsten Fall das Rad lösen. In beiden Fällen gefährdest du damit nicht nur deine eigene Sicherheit, sondern auch die anderer Verkehrsteilnehmer.

    Außerdem ist es für die gleichmäßige Montage essentiell, die Radbolzen stets über Kreuz anzuziehen. Mehr dazu erklärt René in unserem Video zu Tipps und Tricks beim Radwechsel.

    Schritt 4: Felgen und Reifen einlagern

    Felgen waschen und Reifen beschriften

    Vergiss vor dem Einlagern bitte nicht, die Felgen gründlich zu waschen, damit sich abgelagerter Schmutz und Bremsstaub nicht den gesamten Winter über ins Material frisst. Wie und womit du die Felgen schnell und schonend wäschst, kannst du hier nachlesen:

    Was wirklich hilft: Felgenreinigung mit Hausmitteln vs. säurefreier Felgenreiniger

    Außerdem bietet sich im gleichen Zuge das Messen der Profiltiefe der demontierten Sommer- oder Winterreifen an, damit du rechtzeitig weißt, ob und welche Reifen zur nächsten Saison gewechselt werden müssen. Alle Schritte zur Einlagerung von Rädern und Reifen haben wir hier nochmal für dich zusammengefasst.

    Reifeneinlagerungsprotokoll
    Ein Reifeneinlagerungsprotokoll hilft, den Überblick über den Zustand aller Reifen zu behalten.

    Letzte Schritte

    Und damit sind wir mit dem Reifenwechsel fast am Ende angekommen. Zuletzt kontrollierst du an einer nahe-gelegenen Tankstelle den Reifendruck der neuen Reifen und passt diesen ggf. wieder an. Je nachdem, ob in deinem Fahrzeug ein aktives oder passives Reifendruckkontrollsystem verbaut ist, muss dieses neu kalibriert werden. Unter Umständen musst du dazu eine Werkstatt aufsuchen. Alle Informationen findest du dazu in der Betriebsanleitung deines Fahrzeugs.

    Last but not least: vergiss nicht, nach ca. 50 km noch einmal die Radbolzen mit dem Drehmomentschlüssel nachzuziehen. In einigen Fällen „setzen sich“ die Bolzen nach den ersten Kilometern Fahrt und lockern sich damit ein wenig.

    Unabhängig davon, ob wir dich mit unserer Radwechselanleitung dazu motivieren konnten, dieses Jahr deine Reifen selber zu wechseln oder ob du doch den Dienst der KFZ-Werkstatt deines Vertrauens überlässt:

    Wir wünschen dir allzeit gute (und vor allem sichere) Fahrt!